Stephani-Ritt: Alte Tradition wiederbelebt

Pressemitteilung Kultur und Pferd (07.01.2026) – Die Stephani-Ritte zählen in Österreich zu den ältesten Kulturereignissen rund ums Ross. Zudem ist dieser Traditionsritt mit keltischen Wurzeln der älteste Brauch am 26. Dezember in Österreich.

© Dieter Arbeiter

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Am 26. Dezember, dem 2. Weihnachtsfeiertag, wird des ersten Märtyrers der Christenheit (Erzmärtyrer), des heiligen Stephanus, gedacht. Daher trägt dieser Tag die Bezeichnung Stefanitag. Stephanus ist laut Fachleuten zudem auch der älteste Rosspatron. Es wird ein Zusammenhang mit den vorchristlichen Feiern zur Wintersonnwende und dem germanischen Gott Wotan vermutet. Wotan ist zur Wintersonnwende auf einem weißen Ross segnend durch das Land gezogen. In der Person des Erzmärtyrers und in der Folge durch die Stephani-Ritte erhielt das Ganze eine christliche Prägung. Waren in früheren Zeiten die Stephani-Ritte von den Bauern hoch zu Ross geprägt, so halten in der Gegenwart vor allem Pferdesportler:innen diese Brauchtumspflege aufrecht. Ein typisches Charakteristikum der Stephani-Ritte ist bis heute allgemein, dass sie der Weihnachtszeit entsprechend in Schlichtheit und Stille durchgeführt werden. Mit der Bezeichnung „Stephani-Ritt“ ist seinem Wesen entsprechend untrennbar eine christliche Pferdesegnung mit dem Bezug auf den Erzmärtyrer Stephanus verbunden. In einigen alpinen Gebieten waren bzw. sind die Stephani-Ritte in bzw. seit historischen Zeiten mit alten Wachsopfertraditionen am 26. Dezember verbunden, indem die Pferdefreunde rote Wachsschnüre dem heiligen Stephanus opferten bzw. opfern. Mit dem Wachsopfer ist seit eh und je die Symbolik der Abwehr von Pferdekrankheiten und das Gedeihen der Pferde verknüpft. Die Farbe Rot ist der Hinweis, dass Stephanus sein Leben für Christus mit dem Blut bezeugt hat.

© Dieter Arbeiter

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Im Jahr 2025 wurde nach rund 75 Jahren in Lind im Gailtal die alte Tradition der roten Wachsschnur beim Stephani-Ritt wiederbelebt.

In Lind im Gailtal (röm.-kath. Pfarre und Marktgemeinde Arnoldstein, Bundesland Kärnten) wurde auf Initiative des Referates »Kultur und Pferd« des Österreichischen Pferdesportverbands durch die Stephani-Reiter:innen im Jahr 2025 nach einer Unterbrechung von rund 75 Jahren das Brauchtum des Umwickelns des Altars mit einer mit Knoten versehenen roten Wachsschnur wiederbelebt.

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Im Zuge dessen wurde der Ablauf des Stephani-Ritts in Lind schriftlich festgelegt. Die drei Teile setzen sich in folgender Reihenfolge zusammen: 1. Der Stephansaltar in der Kirche wird von jeder Stephani-Reiter:in einmal mit der Wachsschnur umsponnen. 2. Hochamt in der Kirche St. Stephan in Lind. 3. Ross-Segnung vor der Kirche. Alten Berichten zufolge wurde noch bis Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts am Stefanitag von den bäuerlichen Reitern der Altar mit einer Wachsschnur umsponnen und man konnte noch bis vor einigen Jahren feine rote Streifen auf dem Unterbau des Hochaltars sehen.

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Augenzeugen berichten, dass noch vor ein paar Jahren die rote Wachsschnur auf einer Haspel aufgewickelt hinter dem Hochaltar aufbewahrt wurde und sie müsste vor nicht allzu langer Zeit aus der Kirche verschwunden sein. Seit der letzten Kirchenrenovierung sind auch die roten Farbreste auf dem steinernen Altarunterbau verschwunden. Die Neuanfertigung einer roten Wachsschnur im Jahr 2025 in Österreich war ein aufwendiges Unterfangen. In Tirol konnte noch ein Wachszieher gefunden werden, der die Wachsschnur herstellte. Nach langer Suche konnte mit Friederike Jerlich von den Kärntner Klöpplerinnen eine Fachfrau gefunden werden, die in zeitaufwendiger Handarbeit unzählige Knoten in die 285 Meter lange Wachsschnur einknüpfte. Damit dieses Kunstwerk nicht wieder das Schicksal wie die alte Wachsschnur erleidet, wurde es in das Inventar der für Lind zuständigen Pfarre Arnoldstein aufgenommen und zur Sicherheit bestätigte die Diözese Gurk diesen Akt. Die Haspel aus Eschenholz wurde in Maßanfertigung von Tischlermeister Leo Wirnsberger aus Pöckau hergestellt. Wie die alte Wachsschnur wird die neue nach dem Stephani-Ritt wieder auf die Haspel aufgewickelt und auf der Rückseite des Hochaltars bis zum Gebrauch beim nächsten Stephani-Ritt aufbewahrt.

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Da es sich beim Stephani-Ritt in Lind um eine sehr altehrwürdige Rosstraditionsveranstaltung handelt, hat das Erscheinungsbild der Reiter:innen mit ihren Pferden, des Geistlichen und der Mitfeiernden im Einklang mit der österreichischen Brauchtumspflege zu stehen. Das ist auf Anhieb beim Stephani-Ritt 2025 in Lind bestens geglückt. Die Stephani-Reiterinnen kamen aus Lind und den benachbarten Orten Pöckau, Tschau und Arnoldstein (alle im Gailtal). Einige Reiter ließen es sich nicht nehmen, in der Gailtaler Tracht hoch zu Ross auf der altösterreichischen Pferderasse Noriker teilzunehmen. Claudia und Josef Satz, die die Organisation der Reiter:innengruppe arrangierten, freuten sich über die positiven Rückmeldungen, die bei ihnen aus anderen Kärntner Tälern eingetroffen sind. Die Beteiligten aller Generationen brachten einem der ältesten Kulturereignisse rund ums Ross Wertschätzung und Respekt entgegen. Robert Jamroz, der für Lind zuständige Pfarrer aus Arnoldstein, und Reinhard Antolitsch, der für Lind zuständige Bürgermeister aus Arnoldstein, freuten sich über die gelungene Feier und erklärten, sie wollen in Zukunft die Stephani-Ritte wie im Jahr 2025 durchführen. Die mediale Berichterstattung war zweifelsohne ein Grund, dass der Stephani-Ritt 2025 in Lind landesweit bekannt wurde. Beispielsweise berichtete der ORF Kärnten am 26. Dezember 2025 sowohl im Radio als auch im Fernsehen über die Traditionsveranstaltung. Für Otto Kurt Knoll, dem Bundeskulturreferenten des Österreichischen Pferdesportverbands, bestätigte sich wiederum, daß die Kultur der Pferdewelt, wie diesmal in Lind, neue Chancen und neue Freunde erschließt. Alle Beteiligten freuten sich über den großen Zuspruch der jungen Generation beim Stephani-Ritt 2025 in Lind und über die von ihnen erklärte Bereitschaft, in Zukunft den Stephani-Ritt nach Lind durchführen zu wollen.

Quelle: Pressemitteilung Kultur und Pferd