Berittene Bauern und Eisenrosse
Kultur und Pferd (07.09.2026) – Jährlich sind am Ägydi-Fest – um den 1. September – in der Wallfahrtskirche zum heiligen Ägydius in Schwarzensee im Wienerwald die alten und neuen aus Eisen angefertigten Rinder und Rosse ausgestellt. Das war auch heuer am 5. September 2026 der Fall. In historischen Zeiten war es Brauch, dass Eisenvotive, die Rosse, Rinder, Schafe und Schweine darstellten von den Bauern um den Altar getragen wurden und dabei wurde der heilige Ägydius um Fürsprache gegen Tierkrankheiten angerufen. Die Materialwahl des Eisens ist damit zu begründen, da dieses mit der alten Symbolik des Schutzes assoziiert wird.

Rosse in der Wallfahrtskirche Schwarzensee – im Vordergrund ein sehr altes Eisenvotiv und im Hintergrund jenes anlässlich der 2. NÖ Rosswalfahrt mit dem Hinweis auf den Niederösterreichischen Pferdesportverband als Veranstalter gestiftet. © Otto Kurt Knoll
Die im Kern romanische kleine Saalkirche aus dem 12. Jahrhundert in Schwarzensee wurde nämlich von berittenen Bauern errichtet. Es stellte in historischen Zeiten ein Privileg für einen Bauern dar, wenn er sich hoch zu Ross bewegen durfte. Mit Ausnahme der Damen des Adels, die ausschließlich im Seitsitz in Kleid oder Kostüm reiten durften, war es früher Frauen – unter anderem Bäuerinnen – in der Regel nicht gestattet zu reiten. Bei dem jahrhundertealten bäuerlich geprägtem Antlaßritt im Tiroler Brixental dürfen bis heute nach wie vor nur Männer der drei Gemeinden Brixen im Thale, Kirchberg in Tirol und Westendorf unter Einhaltung eines überlieferten strengen Reglements mitreiten.
Es sei angemerkt, dass in einer wissenschaftlichen Arbeit aus dem Jahr 1952 über die Werk- und Sonntagstracht im Wienerwald auch über die Lederhose berichtet wird. Für den Bauern war die bis zum Knöchel reichende Stiefellederhose bezeichnend und die kniefreie Lederhose war eher das Zeichen für den Holzknecht. Die Stiefellederhose war zudem auch für das Reiten geeignet. Damit soll verdeutlicht werden, dass alles seine Symbolik hatte. Ein berittener Bauer war gesellschaftlich in der Region höher gestellt im Vergleich zu jenen Bauern, der sich nicht hoch zu Ross bewegen durfte.
Am 26. Dezember findet seit 2014 nach Schwarzensee der Stephani-Ritt statt, der in seinen Wurzeln auf eine bäuerliche Tradition rund ums Ross zurückreicht.


