Sehen wie ein Pferd – Fortbildung für mehr Verständnis im Umgang mit dem Partner Pferd
Pferdesport in NÖ | Ausbildung (03.12.2025) – „Sehen wie ein Pferd“ – unter diesem Motto stand die zweitägige Fortbildung für Pferdesamariterinnen und Ausbilderinnen im Reitsport am 27. und 28. November. Rund 20 Teilnehmerinnen nutzten die Gelegenheit, nicht nur die vom Österreichischen Pferdesportverband (OEPS) vorgeschriebenen Weiterbildungen zu absolvieren, sondern vor allem, um mehr Empathie für den vierbeinigen Sportpartner im Alltag zu entwickeln.

© Gila Wohlmann
Für die Schulung konnten zwei hochkarätige Expertinnen gewonnen werden: Tierärztin Mag. Barbara Röder, Spartenreferentin für Pferdesamariterinnen im OEPS, sowie DI Viktoria Egger, zuständig für den Bereich „Pferdehaltung“ in der NÖ Landwirtschaftskammer.
Der Auftakt erfolgte in Form eines rund eineinhalbstündigen Online-Vortrags zum Thema „Gesichtsfeld und Sehvermögen des Pferdes“. Der anschaulich aufbereitete Vortrag bot zahlreiche Aha-Momente; die Teilnehmerinnen konnten sich aktiv einbringen, wodurch eine lebhafte und kurzweilige Diskussion entstand.
Am Folgetag wurde das Gelernte am Elsbacherhof in Elsbach (Bezirk Tulln, NÖ) in der Praxis erprobt. In vier Gruppen aufgeteilt, testeten die Teilnehmerinnen die sogenannte „Pferdebrille“ – einen Tieraugen-Simulator, der Menschen ermöglicht, ihre Umgebung „aus der Sicht der Pferde“ wahrzunehmen. Der Fokus liegt dabei auf der Aufnahme visueller Reize, deren Verarbeitung im Gehirn sowie den grundlegenden Unterschieden zwischen menschlichem und tierischem Sehen, wie Röder erläuterte.
Die Wirkung beeindruckte: Die Teilnehmerinnen waren überrascht, wie eingeschränkt das Sehvermögen des Pferdes im Vergleich zum Menschen ist und wie unterschiedlich Farben, Formen und Tiefenschärfe wahrgenommen werden. Mit „Pferdeaugen“ mussten sie den Weg von der Koppel in die Stallgasse, durch die Pferdebox, in einen Pferdeanhänger und über Bodenstangen am Reitplatz bewältigen. Auch ein Sprungparcours mit für Menschen farblich klaren Hindernissen stellte sich aus Pferdeperspektive völlig anders dar.
Deutlich wurde dabei, welch großes Vertrauen Pferde ihren Menschen entgegenbringen – sei es beim Springen eines Parcours oder beim Einsteigen in den Anhänger. „Das Bewusstsein dafür, wie das Pferd seine Umwelt sieht, bringt enorme Vorteile für den alltäglichen Umgang mit dem Partner Pferd: vom Verständnis natürlicher Fluchtreaktionen bis hin zum frühzeitigen Erkennen von Stress- und Konfliktsituationen“, betonte Röder. Mehr Verständnis für pferdetypische Reaktionen sei das Ziel – jedoch dürfe nicht jeder Ungehorsam allein auf das eingeschränkte Sichtfeld geschoben werden. Sensibilität und Erfahrung seien im Umgang und Training unverzichtbar.
Begleitet wurde der praktische „Gang mit Pferdeaugen“ von DI Viktoria Egger. Das Konzept basiert auf wissenschaftlichen Analysen; vergleichbare Simulatoren gibt es laut Egger auch für Rinder und Schweine, um Landwirtinnen und Landwirten das Verhalten ihrer Nutztiere besser verständlich zu machen und dieses Wissen auch im Stallbau zu berücksichtigen.

© Gila Wohlmann
Als zweiter Praxisteil – auf freiwilliger Basis – bot sich die Möglichkeit, unter Anleitung der Tierärztin Kuhaugen (Schlachtabfälle) zu sezieren. Zuvor erklärte Röder anhand eines Modellauges den anatomischen Aufbau. Anschließend konnten die Teilnehmerinnen die einzelnen Schichten am realen Auge nachvollziehen. Auch dieser Teil stieß auf großes Interesse – die Fortbildung war erneut ausschließlich weiblich besucht.
Das Fazit der Teilnehmerinnen fiel eindeutig aus: Derartige Fortbildungen sollten häufiger angeboten werden, und eigentlich sollte jede Person, die mit Pferden arbeitet, einmal die Tieraugen-Simulationsbrille getestet haben, um das Verhalten der Tiere besser zu verstehen.
Ein erfreuliches Detail am Rande: Der NÖ Pferdesportverband unterstützte die Teilnahme seiner NOEPS-Mitglieder finanziell.
Quelle: Gila Wohlmann



