Wer sieht wie ein Pferd, versteht es auch besser!

Pferdesport in NÖ | Ausbildung (11.07.2025) – „Wer sieht wie ein Pferd, versteht es besser.“  Unter diesem Leitgedanken stand die Pilot-Fortbildung des NOEPS Ausbildungsreferates „Sehen wie ein Pferd“, die bereits im Vorfeld großes Interesse weckte – mit deutlich mehr Anmeldungen, als Plätze verfügbar waren. Geleitet wurde die NOEPS-Fortbildung von DI Viktoria Egger und Dr. Barbara Röder, die mit fachlicher Tiefe und praxisnaher Vermittlung durch den Nachmittag führten.

Im Mittelpunkt stand das Sinnesorgan Auge – seine Funktionsweise und die faszinierenden Unterschiede zwischen menschlichem und „pferdischem“ Sehen. Pferde verfügen über weniger Farbzapfen und sehen daher nur in Blau-, Gelb- und Grautönen – ähnlich wie rot-grün-blinde Menschen. Zudem werden die visuellen Reize beider Augen jeweils getrennt in die gegenüberliegende Gehirnhälfte geleitet – ohne automatische Zusammenführung zu einem einheitlichen Bild. Die Verarbeitung von Lichtverhältnissen erfolgt ebenfalls deutlich langsamer als beim Menschen.

Diese neurologischen und anatomischen Besonderheiten erklären viele alltägliche Herausforderungen im Umgang mit dem Pferd. So erscheint beispielsweise eine Decke, die an der Hallenbande liegt, nach dem Handwechsel plötzlich unheimlich – nicht, weil das Pferd „ungehorsam“ ist, sondern weil die andere Gehirnhälfte die Situation neu und möglicherweise als bedrohlich bewertet.

Ein eindrucksvolles Highlight brachte DI Viktoria Egger mit: die sogenannte „Pferdebrille“. Dieser Tieraugen-Simulator ermöglicht es dem Menschen, die Umgebung visuell aus der Sicht eines Pferdes zu erleben. Der Perspektivwechsel führte bei vielen Teilnehmenden zu tiefgreifenden Aha-Momenten – etwa beim Nachdenken über die Gestaltung von Stallgassen, das Verladen in den Anhänger oder die Wahrnehmung von Hindernissen im Parcours. Bewusst wurde dabei auch, wie leicht Stress- oder Konfliktsituationen im Alltag entstehen können – und wie durch pferdegerechtes Training und eine angepasste Umgebung mehr Sicherheit und Wohlbefinden für Tier und Mensch geschaffen werden können.

Abgerundet wurde der Nachmittag durch eine praxisnahe Übung mit Dr. Barbara Röder: Interessierte Teilnehmer:innen konnten selbst ein Schweineauge sezieren und so die Anatomie des Auges hautnah erkunden – ein spannender Einblick in die biologische Grundlage des Sehens.

Fazit: Die NOEPS-Fortbildung ermöglichte nicht nur einen außergewöhnlichen Perspektivwechsel, sondern schärfte das Bewusstsein für die Wahrnehmung des Pferdes als Fluchttier. Sie zeigte auf eindrucksvolle Weise, wie ein besseres Verständnis der Sinneswahrnehmung zu einem sicheren, respektvollen und pferdegerechten Umgang beitragen kann – im Alltag wie im Training. Wer sieht wie ein Pferd, versteht besser – für mehr Sicherheit, Verständnis und pferdegerechtes Miteinander.

Quelle: Fanny Artner

>> Siehe dazu auch „Innovative Pferdebrille an Fachschule Tullnerbach im Praxiseinsatz“